Österreich und der Frostjahrgang 2016

Eine Weinreise durch Österreich und der Frostjahrgang 2016

Wie jedes Jahr unternahmen wir auch in diesem eine Weinreise, bei diesen regelmäßigen Reisen geht es uns in erster Linie darum, uns mal wieder einen Eindruck von den einzelnen Lagen zu machen, auf denen die Weine wachsen, die wir hier vertreiben. Man muss einfach mal auf dem Weinberg stehen und sich den Boden genau anschauen um die Faktoren im Kopf zu haben, die für den eigenständigen Charakter jeden Weins verantwortlich sind.

So kamen wir ganz neugierig und völlig arglos am 26. April im Anbaugebiet Wagram bei Franz Leth an. Es herrschte ziemliche Hektik, alles lief durcheinander, man telefonierte wild herum und jeder wirkte recht unentspannt. Den Grund dafür erfuhren wir nach kurzer Zeit. Es hatte am frühen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, Frost gegeben. Die Reben, die bedingt durch den milden Winter, früh ausgetrieben hatten, waren teilweise verfroren. Franz Leth schätzte den Schaden auf etwa 10%, meinte aber, dass für die folgende Nacht noch einmal Minusgrade angesagt wären und man versuche jetzt, den Schaden irgendwie noch zu begrenzen.

Am Mittwoch galt unser nächster Besuch dem tollen Weingut Jurtschitsch in Langenlois, deswegen konnten wir live miterleben, was dort alles auf die Beine gestellt wurde um die Triebe zu schützen. Die Situation mutete fast apokalyptisch an – Hubschrauber flogen, um die kalte Luft am Boden aufzuwirbeln, in den Weinbergslagen brannten unzählige Strohballen und jeder war schon fast die ganze Nacht auf den Beinen. Der Rauch soll verhindern, dass die Sonne die gefrorenen Triebe zu schnell auftaut weil dadurch die Zellen unwiederbringlich zerstört werden.

Tag 3 führte uns in die Region südlich von Wien und zwar zu Philipp Grassl im Gebiet Carnuntum. Wir hatten am Vorabend schon telefoniert und wussten, dass der Frost nicht nur im Wagram und Kamptal zugeschlagen hatte. Auch Philipp war seit vielen Stunden tätig und berichtete von ca. 30% Schäden. Er wusste aber auch zu berichten, dass es bei seinem Freund Alwin Jurtschitsch an diesem Morgen 6 Grad unter Null gegeben hatte und die Kollegen ihren Kampf aufgegeben hatten. Bei solch einer Kälte helfen keine Hubschrauber und Strohfeuer mehr – da ist der Schaden dann total.
Nun haben Winzer ja fast in jedem Jahr mit kleinen und mittleren Katastrophen umzugehen aber an so eine Kälte nach dem Austrieb der Reben konnte sich nicht einmal die Oma von Philipp erinnern.

Am vierten Tag haben wir drei neue Weingüter am Neusiedler See besucht. Die Weine, die wir dort probierten waren toll aber die Enttäuschung und Sorge war auch hier mit den Händen zu greifen.Wir haben also vier Tage mitgezittert und mitgehofft und können ein wenig nachfühlen, warum man als Winzer so demütig gegenüber der Natur wird.
Für uns bedeutet das nur, dass wir uns von dem Jahrgang 2015 mehr bevorraten werden für die Winzer bedeutet das ein Jahr Weinbergsarbeit für die Katz.
Da die Weine, die wir dort neu eingekauft haben bei Ankunft dieses Briefes noch nicht bei uns eingetroffen sind werden wir uns in Kürze wieder bei Ihnen melden um die Neueingänge vorzustellen.

Keyword: Allgemein
Veröffentlicht in: Anbaugebiete
Blog Navigation

Neueste Beiträge

Zuletzt angesehen

Keine Artikel