Capcanes – Ein spanisches Dorf schreibt Geschichte

Capcanes heißt eine 400 Seelen-Gemeinde in der katalanischen Region Tarragona im Bezirk Priorat. Vor vielen Jahren gründeten fünf Familien dort eine kleine Winzergenossenschaft mit dem Ziel gemeinsam auf dem Weinmarkt zu bestehen. So ging das lange Zeit dahin, die Menschen und Rebstöcke (zumeist Garnacha) alterten und man kam gerade so zurecht. Zwar war die Genossenschaft über die Jahrzehnte gewachsen aber die Geschäfte gingen nicht besonders gut – die Kooperative verkaufte ihre Trauben oder produzierte günstige Weine, die in Tanklastwagen abtransportiert wurden. Die jungen Leute verließen das Dorf, weil es wenig Arbeit mit Zukunft gab. Der Impuls für einen Wandel kam mit der Anfrage der jüdischen Gemeinde von Barcelona, ob man in Capcanes nicht einen koscheren Wein erzeugen könnte. Man beratschlagte und entschloss sich schließlich, das Wagnis einzugehen.

Die Umwälzungen waren riesig – der Investitionsbedarf gewaltig. Alles wurde auf den Kopf gestellt, die bisherige Weinerzeugung und Vermarktung musste komplett verändert werden. Die Banken wollten Geld nur gegen viel Sicherheiten geben und so musste fast jede der 80 Familien des Dorfes mit ihrem persönlichen Grundbesitz für den Kredit der Genossenschaft haften.

Man musste der Idee vertrauen und man musste Gräben überwinden, denn der spanische Bürgerkrieg hatte auch hier die Bevölkerung gespalten. Ehemalige Anhänger Francos taten sich mit Vollblut-Sozialisten zusammen für eine gemeinsame Sache.

Man engagierte zwei Önologen, Angel Teixido und den jungen Deutschen Jürgen Wagner, die seitdem eng verbunden sind mit der jüngeren Geschichte von Capcanes. Der erste koschere Wein mit Namen „Flor de Primavera“ wurde von der internationalen Weinwelt mit Lob überschüttet. Von nun an ging es sehr steil bergauf. Es folgten mehr und mehr auch nicht-koschere Weine und es dauerte nicht lange, da zählte Capcanes zu den renommiertesten Bodegas Spaniens.

Vielen unserer Kunden sind Weine wie Mas Collet, Lasendal oder Mas Picosa lange bekannt, führen wir doch eine ansehnliche Palette an Weinen von Capcanes seit etlichen Jahren im Programm. In erster Linie überzeugte uns zwar die Qualität der Weine dieser Kellerei, dicht gefolgt allerdings von dem Eindruck, den die Geschichte des Dorfes bei uns hinterlassen hatte. Auf der Website der Genossenschaft kann man unter der Überschrift „El espíritu de un pueblo“ (der Geist eines Dorfes) lesen:

„Hier bei Celler de Capcanes spiegeln die Weine die Menschen wieder und den Geist des Dorfes, die harte Arbeit und die Leidenschaft, die in jedem Tropfen steckt“.

Jetzt neu entdeckt:

Mas Donis Negre, ein mittelschwerer, wunderbar frischer Rotwein, der mit seinem ausdrucksstarken Beerenbouquet eine echte Fruchtbombe ist, dabei sehr charmant mit reifen, weichen Tanninen. Ein Wein für jeden Tag, der Spaß macht und den Geldbeutel schont.

Peraj Petita heißt der neue Rotwein, der ebenfalls im sogenannten Lo Mebushal Verfahren, also koscher erzeugt wurde. Als kleiner Bruder des weltberühmten „Flor de Primavera“ ist dies ein echtes Schnäppchen. Die Vinifikation ist so aufwändig und gleichzeitig ist der Peraj Petita so naturrein, dass er neben den „normal“ erzeugten Weinen sicherlich eine echte Ausnahmeerscheinung ist. Im Geschmack hat er ganz viel rote Früchte, ist gleichzeitig frisch und reif mit großer Harmonie von Frucht und Mineralität gefolgt von eleganter Süße im Abgang. Sie sollten diesen kleinen Bruder unbedingt einmal probieren!

 Der dritte im Bunde ist ein reinsortiger Merlot, der (absolutes Novum in der Weinwelt) komplett in ein Comic eingewickelt ist. Das Comic erzählt auf deutsch in wunderbarer und leicht verständlicher Weise die Entstehungsgeschichte dieses ungewöhnlichen Merlots. Wie die drei Önologen von Capcanes überlegen, die Trauben „so wie früher“ mitsamt Rappen zu vergären, weil das extra Frische und Würze gibt. Wie man sich außerdem dazu entschließt, keine künstlichen Gärhefen, sondern nur Naturhefen zu verwenden und schließlich werden Jürgen Wagner die Worte: „wie der Morgen nach einem schönen Traum, den du ganz vage erinnerst“ in die Sprechblase gelegt, während die drei ihren fertigen Merlot das erste Mal verkosten. Woraufhin die Kollegin mit :“Ach, unser Aleman, immer so poetisch“ antwortet. Aber egal, ob man nun Comics mag oder nicht, dieser Merlot ist wirklich etwas ganz besonderes.

 

2017 Mas Donis Negre, Montsant                              0,75 l               €  6,20

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